ZDF-Fernsehfilm: München´72 – Das Attentat
Hamburg [ENA] Es sollten die "heiteren Spiele" werden – aber es wurde ein tragischer Tag im sonnigen September 1972. Aus dem Spiel wurde blutiger Ernst und die ehrliche Heiterkeit, die über den Wettkämpfen lag, wich der bitteren Einsicht verletzbar zu sein und versagt zu haben.
Es war der Erste – vom Ausland kommende – terroristischen Anschlag auf deutschem Boden den die Welt miterleben musste. Alle elf israelischen Geiseln starben, außerdem ein deutscher Polizist und fünf der Terroristen. Hinter dem Überfall, der bittere 21 Stunden dauerte, stand die palästinensische Terror- Gruppe "Schwarzer September". Für Israel und Deutschland wurde dieser martialische "nom de guerre" zum treffenden Bild für das Geschehene. Aus deutscher Sicht, aus der Sicht eines Landes, das diese "Weltspiele" ausrichtete und dem damit auch die Sicherheit der mehr als 7000 Sportler aus 122 Ländern anvertraut war, bekam der Ausdruck "menschliches Versagen" eine ganz neue, traurige Qualität.
Der Versuch, Ereignisse dieser Größenordnung mit "Heiterkeit" und einem sanften Sicherheitskonzept zu bewältigen, waren nach dem Attentat ein für alle Mal gescheitert – die Chiffre "München 72" steht auch für das Ende der Unschuld im Umgang mit den bis auf den heutigen Tag stetig wachsenden Bedrohungen durch den international agierenden Terrorismus. Insofern hat das Olympia-Attentat eine größere Veränderung in Staat, Gesellschaft und der persönlichen Wahrnehmung von (Un-)Sicherheit nach sich gezogen, als die jahrzehntelangen terroristischen Angriffe der RAF.
Zum Inhalt: Die Geiselnahme einer Gruppe von israelischen Sportlern während der Olympiade 1972 in München gerät zu einem Desaster. In einer noch nie dagewesenen Situation kämpfen die Verantwortlichen und Sicherheitskräfte verzweifelt um Rettung. Anna Gerbers (Bernadette Heerwagen) eine junge, engagierte Polizistin aus dem Ruhrgebiet, gehört zu den glücklichen Auserwählten, die bei der Sommer-Olympiade als Ordnerin fungieren dürfen. Sie lernt den Hubschrauberpiloten Michael Bruckner (Felix Klare) kennen und für Anna beginnt eine Beziehung. Dann geschieht das Unfassbare: In den frühen Morgenstunden des 5. September dringen palästinensische Terroristen in das Olympische Dorf ein und stürmen die Quartiere des israelischen Teams.
Nur kurz darauf finden Sicherheitskräfte einen toten Israeli. Dessen Landsleute sind nun Geiseln in den Händen von Männern, die offenbar nichts zu verlieren haben. Als der Anführer des Terrorkommandos nach einem Verhandlungspartner verlangt, meldet sich Anna freiwillig. Die Forderungen der Palästinenser sind ebenso eindeutig wie unerfüllbar: Die Befreiung von 200 Kampfgenossen sowie freien Abzug. In einem verzweifelten Wettlauf gegen die Zeit gelingt es Anna das von den Entführern gesetzte Ultimatum mehrmals hinauszuzögern. Der Krisenstab versucht in dieser aussichtslosen Lage auf die Forderungen der Kidnapper einzugehen. Gleichzeitig wird an eine Befreiung der Geiseln fieberhaft im Hintergrund gearbeitet.
In den ZDF-Fernsehfilm München´72 Das Attentat wird nun erstmalig versucht, die Ereignisse aus deutscher Sicht zu erzählen. Die hochkarätige Besetzung des Films: Neben Bernadette Heerwagen und Felix Klare spielen Heino Ferch (Polizeipräsident), Benjamin Sadler (Ulrich K. Wegener, Adjutant des Ministers und späterer Leiter der GSG 9), Stephan Grossmann (der damalige Innenminister Hans- Dietrich Genscher), Christoph Zrenner (Walther Tröger, Bürgermeister des Olympischen Dorfes) und Rainer Bock (Bruno Merk, bayerischer Innenminister), Shredi Jabarin (Lutif Affif, Anführer der palästinensischen Terroristen). Ankie und André Spitzer werden von Esther Zimmering und Pasquale Aleardi verkörpert.
Die Dreharbeiten fanden von Juni bis August 2011 u. a. an den Originalschauplätzen wie dem Olympischen Dorf in München sowie in Oldenburg statt. Ich hatte die Gelegenheit mit den Hauptdarstellern Bernadette Heerwagen und Heino Ferch zu sprechen: M.F.: Es gab für Sie in der Vorbereitung für diese Rolle leider keine Gelegenheit, mit der echten Polizeiobermeisterin von damals zu sprechen. Ist es überliefert, woher Sie den Mut nahm, sich freiwillig für diese Aktion zu melden? B.H.: Es hieß nur, es wurde eine Polizeiobermeisterin aus Essen vorgeschickt. Das habe ich im Vorfeld gelesen und ich nehme an, sie hätte sich auch durchaus weigern dürfen. Sie machte sich wahrscheinlich gar nicht bewusst, was sie da tatsächlich tut.
Trotzdem denke ich, es geschah aus freien Stücken. Obwohl sie wusste, dass es ja bereits Tote gegeben hat, war sie bereit, sich in diese Situation einzulassen und mit den Terroristen zu verhandeln. Beim ersten Lesen habe ich sie mir als eine Frau vorgestellt, die wahnsinnig Angst haben muss und ganz vorsichtig ist. Aber im Gegenteil, als ich das Dokumaterial gesehen habe und auch dieses Zitat der Polizistin las :“Er (Issa, der Anführer der Terroristen, Anm. d. Red.) war zu mir stets höflich und korrekt“ und sie wohl nichts zu befürchten hatte, war ich beeindruckt. Wenn man sich das anschaut, wie sie immer so hin und her läuft, an der Wand lehnt und mit dem Terroristen raucht, das ist unglaublich.
Sie hat versucht, einfach nur gute Polizeiarbeit zu leisten, und es war natürlich ein cleverer Schachzug, eine Frau für diese Verhandlungen einzusetzen. M.F.: In einer Szene, in der Genscher mit Issa, dem Terroristen verhandelt, mischt sich Frau Gerbers, wie Anneliese Graes in der Verfilmung heißt, in die Verhandlung ein. Hat sich diese Szene wirklich so zugetragen? B.H.: Nein, dafür gibt es keine Belege. Es gibt einen Originalausschnitt, wie sie zu der Gruppe mit Genscher geht und anschließend führt sie alle zusammen hinüber zu Issa.. Aber was dann wirklich dort gesprochen wurde, ist leider nicht überliefert. Ich weiß auch nicht, ob sie sich tatsächlich hätte einmischen wollen. Satz gestrichen, das war ein Scherz im Gespräch.
M.F.: Sie sind ja nach den Ereignissen der Olympiade`72 geboren, was sind ihre persönlichen Erinnerungen an diese Sommerspiele in München? B.H. Ich habe mich schon immer für das Thema Terrorismus interessiert, und als die ersten Dokumentationen zu diesem Thema herauskamen, habe ich sie mir angesehen. In der Vorbereitung zu diesem Film waren für mich daher viele der Dokumentationen nicht neu.
M.F.: Herr Ferch, Sie spielen als Polizeipräsident von München nicht gerade eine sympathische Rolle in diesem Film. Sie sind ignorant, arrogant, wie sah die Vorbereitung auf diese Rolle aus? H.F.: Es gibt Dokumentationen, und es gibt Interviews mit ihm und die sind in die Rolle eingegangen. Und es gibt den Autor des Drehbuchs, und es gibt eine Menge Material, was man sich anschauen kann. Und das Gespräch mit Regisseur Dror Zahavi und Herrn Wegener war mit das ausschlaggebendste. Herr Wegener ( Ulrich Wegener, General a.D., Leiter der GSG9, Anm. d. Red.) war ja fast den ganzen Krisenstabs dabei, und er weiß wirklich wovon er spricht und es ist sehr authentisch. Das sind die maßgeblichen Inputs für diese Rolle.
M.F.: Als sie sich die Interviews angesehen haben, gab es da schon ein klares Bild für Sie wie die Rolle aussehen kann? H.F.: Ja, wenn man die Interviews sieht, bekommt man ein Gefühl wie jemand spricht, wie sich jemand bewegt, wie jemand mit Gesprächen umgeht und was für ein Typ dieser Mann ist. Das war für mich sehr interessant zu sehen. Aber meine Rolle ist natürlich ein fiktiver Charakter, es handelt sich schliesslich um einen Spielfilm, orientiert an tatsächlichen Ereignissen, aber letztlich eine Fiktion.
M.F.: Woher kommt diese Einstellung, dass man mit einer Geiselnahme überhaupt nicht rechnen wollte? Der Polizeipsychologe hat diese Szenario am Anfang des Films einmal durchspielen wollen. H.F.: Das Gespräch gab es, ja. Ich denke, dass die Welt damals einfach noch nicht sensibilisiert war für diese Art von Terrorismus, das gab es so noch nicht. Und auch die Polizei war nicht darauf vorbereitet. Alle dachten: Es wird uns hier nicht passieren, wir machen hier Spiele der Liebe, des Friedens, Flowerpower. Man wollte eine ganz andere Veranstaltung als die Olympischen Spielen von 1936, man wollte Deutschland neu in der Welt präsentieren, als offenes, fröhliches Land der Völkerverständigung.
Es hat ja auch ein paar Tage funktioniert, und dann kam es zur Katastrophe. M.F.: Was gibt es denn für zukünftige Projekte von Ihnen? H.F.: Es kommt zunächst am 13. Februar ein Drama im ZDF „Vater, Mutter, Mörder“, das eine Familie beschreibt, wo der 16 jährige Sohn die Eltern einer Freundin erschießt und eigentlich keiner einen Grund findet, warum das wirklich passiert ist. Ins Kino kommt am 22. März „Ruhm“, die Verfilmung von Daniel Kehlmann´s Roman, und dann mit „Hanni und Nanni 2“ ab 17. Mai etwas für die ganze Familie. Der Sendetermin für dieses sehenswerte Drama ist Montag, 19. März 2012 um 20.15 Uhr. Im Anschluss folgt eine Dokumentation über die Hintergründe und Fakten der damaligen Ereignisse.




















































