Freitag, 18.05.2012 12:22 Uhr

Serpentina - Funkelnde Schlange im Schmuck der Welt

Verfasser: Kirsten Ernst / Schmuckmuseum Pforzheim Pforzheim, 23.02.2012, 09:59 Uhr
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Schmuckmuseum Pforzheim im Reuchlinhaus
Schmuckmuseum Pforzheim im Reuchlinhaus  Bild: Kirsten Ernst

Pforzheim [ENA] Sein 50-jähriges Jubiläum feiert das Reuchlinhaus in Pforzheim auch mit der Sonderausstellung Serpentina. Die Schlange in der Darstellung der Kunst des Schmuckes aus aller Welt über fünf Jahrtausende verzaubert den Betrachter. Funkelnd in Dimanten, Smaragden, Rubinen, Gold oder in Bronze.

Das Reuchlinhaus, erbaut durch den deutschen Architekten Manfred Lehmbruck, zweiter Sohn des berühmten Bildhauers Lehmbruck, besticht durch seine Transparenz und schnörkellose Schönheit im offenen Stil des Bauhauses. Lehmbruck machte sein Diplom 1938 unter Paul Bonatz in Stuttgart. Promovieren konnte er bei Gerhard Graubner 1942 in Hannover. Noch heute zählt der Bau zu einem der architektonisch interessantesten Museumsbauten und Lehmbruck wollte ihn als Hommage an Ludwig Mies van der Rohe verstanden wissen.

Neben der ständigen Ausstellung über die Geschichte des Schmuckes aus fünf Jahrtausenden, ist die Sonderausstellung Serpentina zu sehen und zeigt die Schlange in der Schmuckdarstellung. Der Name Serpentina stammt aus einer Erzählung von E.T.A. Hoffmann. Dort erscheint Serpentina dem Studenten Anselmus mal als Schlange und mal als schönes junges Mädchen. Ob gut oder böse, die Schlange beschäftigt den Menschen seit grauer Vorzeit auf mannigfache Weise. Sünde und Versuchung, Klugheit und List, Tod und Unheil, aber auch Ewigkeit und Erneuerung, Schutz und Heilkraft – die symbolischen Bedeutungen der Schlange sind vielfältig.

Zu allen Zeiten und in nahezu allen Kulturen faszinierte sie den Menschen und inspirierte ihn zu herausragenden Kunstwerken und Schmuckstücken. Erstmals in dieser Vielfalt aufgearbeitet, widmet sich die Ausstellung der gesamten Bandbreite der Schlange im Schmuck. Noch bis zum 26. Februar 2012 werden rund 120 bedeutende Schlangenpreziosen aus vielen Epochen Europas, aus Afrika, Asien und Amerika im Schmuckmuseum Pforzheim zu sehen sein: Ohrschmuck und Lockenspiralen, prachtvolle Pektorale, Broschen und Fibeln, Armreife und Ringe. Als Schmuckmotiv ist die Schlange gegenwärtig im alten Ägypten, in der kretisch-minoischen Kultur oder in der griechisch-römischen Antike.

Nördlich der Alpen gibt es Schlangenschmuck bei den Kelten, in den Zeiten der Völkerwanderungen ziert sie die Goldscheibenfibel der Franken und der Alamannen, die Wikinger haben Armreife und Metallbeschläge mit Schlangenmotiven geschmückt. In der Renaissance und im Barock fehlt sie gar gänzlich im Schmuck, um dann im 19. Jahrhundert, vor allem im Jugendstil, umso markanter wieder in Erscheinung zu treten.

Nicht nur bei den Großen wie Lalique und Fouquet in Paris, selbst in der Art-and-Crafts-Bewegung in England und in der Pforzheimer Schmuckindustrie sind Schlangenschmuckstücke zu finden. Schmuckkünstler und Juweliere des 20. und frühen 21. Jahrhunderts widmen sich dem Schlangenmotiv auf eigenwillige und vielfältige Weise, ob Mario Pinton mit einem zierlichen Schlangenarmreif, Günter Krauss mit einem mächtigen Halsschmuck oder Cartier, Boucheron und der Münchner Juwelier Hemmerle mit diamantbesetzen Armreifen und Colliers.

Außerhalb Europas kamen goldene und manchmal mit Edelsteinen verzierte Pektorale mit Schlangenmotiven im präkolumbianischen Mittelamerika vor, und es gibt den Schlangenschmuck als Amulett noch heute in Indien und in Indonesien. Beeindruckend sind die goldenen Kreationen der Akan in Ghana und Nigeria, und selbst in Japan, das jahrhundertelang gar keinen Schmuck im „westlichen“ Sinn kannte, findet sich die Schlange bei den so genannten Netsuke, die als Halte- und Tragevorrichtungen für kleine Behältnisse wie Inros, Siegel- und Medizinschachteln, dienten.

Die symbolischen Bedeutungen der Schlange, ob im Schmuck oder in anderen Kunstwerken, sind dabei so vielfältig wie die Mythen, Sagen und Legenden, in denen sie eine Rolle spielt. In der christlichen Schöpfungsgeschichte führte die Schlange Adam und Eva in Versuchung, in der germanischen Mythologie bewohnte sie als Midgardschlange das Weltmeer oder war in der griechischen Antike das Symbol der Heilkunst. Im alten Ägypten war sie als Uräusschlange das Herrschaftszeichen der Pharaonen. In Indien wurde sie als Schlangengeist und in afrikanischen und mittelamerikanischen Kulturen als Gottheit verehrt. Kurator der Ausstellung ist Dr. Fritz Falk, der das Schmuckmuseum Pforzheim bis zu seinem Ruhestand 2004 über 30 Jahre leitete.

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